Abschlusstagung des Projekts MODUS

Hochschulen im Wandel: Bildungswege zwischen Flexibilisierung und bewährter Struktur

Berlin, 10. und 11. März 2025


Nachfolgend finden Sie die Dokumentation unserer Veranstaltung:


Konferenzbericht

Welche Rolle nehmen Hochschulen in einem zunehmend durch flexible Bildungswege geprägten Bildungssystem ein? Diese Frage stand im Mittelpunkt der MODUS-Abschlusstagung „Hochschulen im Wandel: Bildungswege zwischen Flexibilisierung und bewährter Struktur“ am 10. und 11. März 2025 in Berlin. Ausgangspunkt der Tagung war die Annahme, dass sich die akademische Bildung in einem Transformationsprozess befindet, in dem insbesondere flexibilisierte Lernwege zum lebensbegleitenden Lernen beitragen und individuelle Bildungsbiografien unterstützen können. Zwei Schlüsselbereiche sollten diese Entwicklung begleiten: Erstens können digitale Infrastrukturen und KI-Anwendungen den Prozess der Flexibilisierung befördern, zweitens können strategische Netzwerke die hochschulische Innovationskraft stärken.

Die Konferenzbeiträge gliederten sich daher in die Themenbereiche „Flexible Lernwege“, „Digitalisierung und Künstliche Intelligenz“ sowie „Netzwerke“. In mehreren Forenphasen erhielten die rund 270 Teilnehmenden durch Praxisbeispiele und Kurzvorträge Einblicke in multiperspektivische Strategien und Umsetzungsmöglichkeiten. Sogenannte „MODUS Impulse“ boten Workshops und Vorträge, um über die Grundlagen der Anerkennung und Anrechnung zu informieren. Drei Keynotes und eine Podiumsdiskussion führten tiefer in die wissenschaftlichen und politischen Hintergründe der Konferenzthemen ein.

Brücken zwischen Flexibilität und Festigkeit

Zu Beginn der Tagung stellte Projektleiter Wilhelm Schäfer die Verbindung zwischen den Ergebnissen der Zukunftswerkstatt „Entwicklungshorizonte“ und dem Thema flexible Lernwege dar. Darunter werden individuell gestaltbare Lernwege verstanden, die es den Studierenden ermöglichen, ihr Studium an ihre persönlichen Lebensumstände, Vorqualifikationen und Ziele anzupassen. Dazu gehöre auch die Möglichkeit, unterschiedliche Lernformate, variable Studienzeiten und die Anrechnung von bereits erworbenen Kompetenzen zu nutzen.

In ihrer Keynote präsentierte Professorin Eva Cendon (FernUniversität in Hagen) unterschiedliche Szenarien der Flexibilisierung der Hochschulbildung und die Frage, wie Lernende ihren Weg in, durch und aus Hochschulen finden können. Anhand von vier fiktiven Personas veranschaulichte sie, dass besonders bei nicht-traditionellen Lernenden sowohl die Beweggründe für ein Studium als auch deren Lernorientierung stark variieren können. Um diese Menschen und ihre Bildungswege der Zukunft zu unterstützen, bedarf es laut Cendon notwendiger Rahmungen, wie z. B. einer Verzahnung der Bildungsbereiche und der Schaffung von Brücken zwischen Flexibilität und „Festigkeit“ in der Hochschulbildung.


Hochschulen benötigen mehr Incentives für flexible Bildungswege

Professor Walter Rosenthal, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, und Susanne Bowen, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, erörterten in einer Podiumsdiskussion Gelingensbedingungen für ein zukunftsfähiges Hochschulsystem. Der HRK-Präsident betonte, dass Hochschulen ihre Flexibilität durchaus steigern könnten, allerdings fehlten die Anreize und finanziellen Mittel, um den Mehraufwand, den die flexiblen Angebote für die Hochschulen bedeuten, zu bewerkstelligen. Staatssekretärin Bowen stellte dar, dass für die Schaffung flexibler Lernwege wichtige Rahmenbedingungen bereits vorhanden seien – sie müssten jedoch vonseiten der Hochschulen stärker genutzt werden.

Im Anschluss beleuchtete Professorin Evelyn Korn (Vorstand Wissenschaft der Stiftung Innovation in der Hochschullehre) in ihrer Keynote die Rolle der tertiären Bildung in der Gesellschaft. Die Hochschule als gesellschaftliches Teilsystem bilde einen Knotenpunkt innerhalb des Netzwerks der Gesellschaft. Die Funktionsweise dieses Knotenpunkts und des Netzwerks beschrieb Korn anhand einer Metapher über das Tanzen: Erst wenn man sich über die eigene Kraft im Klaren sei, könne man mit anderen im Raum „tanzen“, das heißt agieren und kommunizieren. Die Kraft der Hochschulen läge laut Korn insbesondere darin, wissenschaftlich scharf zu argumentieren und jungen Leuten zu zeigen, wie sie respektvoll in Diskussionen mit anderen treten.

Zum Abschluss des ersten Konferenztages würdigte Professor Ulrich Bartosch, HRK-Vizepräsident für Lehre, Studium und Lehrkräftebildung, die Arbeit des Projekts MODUS und warf mit den Teilnehmenden einen Blick auf einige Ergebnisse. Er hob hervor, dass die Weiterentwicklung des Hochschulwesens in Deutschland genau die Arbeit, wie MODUS sie geleistet habe, benötige.

Die Arbeit des Projekts bildete während der gesamten Veranstaltung auch die „MODUS-Gallery“ ab. Die Teilnehmenden konnten sich hier über die unterschiedlichen Aufgabenfelder des Projekts, etwa über die Zukunftswerkstätten, Tagungen und Publikationen informieren. Die Gallery ist auch in digitaler Form verfügbar.

Spannungsfeld zwischen Didaktik und technologischer Innovation

Zu Beginn des zweiten Konferenztages führte Professor Dirk Ifenthaler (Universität Mannheim) in seiner Keynote in den Themenkomplex der Digitalisierung an Hochschulen ein und betrachtete das Spannungsfeld zwischen Didaktik und technologischer Innovation. Sein Vortrag folgte der Prämisse, dass an Hochschulen die Didaktik der rasanten Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen häufig nicht folgen könne. Daher sollte stärker aus pädagogischer Sicht diskutiert werden, wie technologische Innovationen in die Hochschulbildung eingebunden und kritisch reflektiert werden können, um Hochschulen beispielsweise demokratischer und individueller zu gestalten.

Am Ende der Konferenz reflektierten die Teilnehmenden gemeinsam mit Moderator Jan-Martin Wiarda die Rolle und Arbeit des Projekts MODUS und würdigten die vielfältigen Informations-, Beratungs- und Vernetzungsangebote.


Graphic Recording

Zeichnerisch begleitet und in Echtzeit dokumentiert wurde die Konferenz durch den Graphic Recorder Benjamin Felis.

Hier können Sie das Graphic Recording als PDF-Datei runterladen.



Abstracts

Hier können Sie die Abstracts der Keynotes und Foren als PDF-Datei herunterladen.


Präsentationen


Keynotes / Vorträge

Lernwege der Zukunft. Wie Lernende ihren Weg in, durch und aus Hochschulen finden können
Prof. Dr. Eva Cendon, FernUniversität in Hagen

Gemeinsam die Welt von morgen gestalten – tertiäre Bildung als Aufgabe der Gesellschaft
Prof. Dr. Evelyn Korn, Vorstand Wissenschaft der Stiftung Innovation in der Hochschullehre

Digitalisierung als Treiber für Change Prozesse an Hochschulen
Prof. Dr. Dr. h.c. Dirk Ifenthaler, Universität Mannheim
 

Parallele Foren 1

Flexible Lernwege – Praxisbeispiele

Studium der angepassten Geschwindigkeit – Verbundprojekt
Dr. Susanne Reisinger, Technische Hochschule Mittelhessen

StudiumPlus
Kirstin Reil, Hochschule Bremen
 

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – Kurzvorträge

Plattform für inter*nationale Studierendenmobilität (PIM)
Rosalie Freimann, Georg-August-Universität Göttingen

Landesweiter Kooperationsverbund
Fabian Heuel, Zentrum der Brandenburgischen Hochschulen für Digitale Transformation

Studentische Initiative DigitalChangeMaker
Katharina Westphal, Ruhr-Universität Bochum
Annalisa Biehl, Universität Münster

AIStudyBuddy
Karin Brieger, Bergische Universität Wuppertal
 

Netzwerke – Kurzvorträge

Hochschulübergreifende Kooperation durch gemeinsame Studiengänge
Katja Eisenächer, Hochschule Magdeburg-Stendal

Landesweite Vernetzung: Digitale Hochschule NRW
Dr. Martin Jungwirth, Digitale Hochschule NRW

Vernetzung mit außerhochschulischen Akteuren
Anna Bergstermann, Deutsche Gesellschaft für Wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V.

Netzwerk International: European Students‘ Union
Iris Kimizoglu, European Students‘ Union
 

MODUS Impuls – Workshop

Grundlagen der Anerkennung. Von den rechtlichen Rahmenbedingungen bis zur inhaltlichen Prüfung
Louisa Langenkämper, Mina Wiese, Hochschulrektorenkonferenz
 

Parallele Foren 2

Flexible Lernwege – Kurzvorträge

QuiS_Flex
Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur

Studentische Bedarfe bei flexiblen Lernwegen
Florian Lamert & Luca Stephan, Studentischer Akkreditierungspool

Studium Individuale
PD Dr. Steffi Hobuß, Leuphana Universität Lüneburg

Microcredentials – was wir von atingi lernen
Prof. Dr. Dominic Orr, University of Nova Gorica, Slowenien
 

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – Workshop

KI in der Hochschullehre: Ein World Café der Perspektiven
Uwe Reckzeh-Stein & Stella Berendes, Hochschulforum Digitalisierung
Jakob Sehrig, DigitalChangeMaker
 

Netzwerke – Workshop | DIY: Netzwerk zur Anerkennung und Anrechnung

Vorstellung des Projekts NetKoop
PD Dr. Britta Behm, HoF an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
 

MODUS Impuls – Workshop

Grundlagen der Anrechnung. Von den rechtlichen Rahmenbedingungen bis zur inhaltlichen Prüfung
Ann-Christine Birke, Julia Ernst, Hochschulrektorenkonferenz
 

Parallele Foren 3

Flexible Lernwege – Kurzvorträge

Microcredentials als Weg der Flexibilisierung
Thu Van Le Thi, Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm
Ingo Kleiber, Universität zu Köln
 

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – Kurzvorträge

Verwaltung flexibilisierter Lernwege mit KI: Beispiele, Chancen und Risiken
Dr. Harald Gilch & Dr. Friedrich Stratmann, HIS-Institut für Hochschulentwicklung e. V.
 

Netzwerke – Networking on recognition at European level (in English)

Gesamtpräsentation

European RPL Network
Agnes Witzani, Agency for Quality Assurance and Accreditation Austria
Rúna V. Gudmarsdóttir, Rannís – The Icelandic Centre of Research

ECIU University Alliance
Dr. Dorothea Ellinger, Hamburg University of Technology

European Students‘ Union
Iris Kimizoglu, European Students’ Union
 

MODUS Impuls

Vorstellung der Studie „Entwicklung, Wirkungsweisen und Potenziale pauschaler Anrechnungsverfahren“
Dr. Sigrun Nickel & Anna-Lena Thiele, Centrum für Hochschulentwicklung

Vorstellung der Ergebnisse der Evaluation des Projekts MODUS
Dr. Katharina Schulze, Zentrum für Qualitätssicherung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz


MODUS Gallery

Hier können Sie die MODUS Gallery, die auf der Konferenz ausgestellt wurde, als PDF-Datei herunterladen (4,5 MB).

Programm

Kontakt

Inhalt:

Lena Apfel
apfel(at)hrk.de
+49 228 887 193

Ann-Christine Birke
birke(at)hrk.de
+49 228 887 192

Madita Lücker
luecker(at)hrk.de
+49 228 887 126

Organisation:

Barbara Kleinheidt
kleinheidt(at)hrk.de
+49 228 887 106

Jens Marquardt
marquardt(at)hrk.de
+49 228 887 108

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